Zwischen Erhalt und Entwicklung – Wie die kleinste Stadt Deutschlands ihren Charme bewahren will

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Arnis, die kleinste Stadt Deutschlands, ist ein Idyll an der Schlei – ein Ort, der Besucher mit seinem maritimen Charme und seinen historischen Häusern verzaubert. Doch während immer mehr Touristen das Kleinod entdecken, stellt sich die Frage: Wie bewahrt man die Seele eines Ortes, ohne ihn für den Massentourismus zu öffnen? Die Stadt hat sich entschieden, einen anderen Weg zu gehen: Statt aggressiven Marketings setzt Arnis auf bewusste Zurückhaltung, klare Regeln für Besucher und eine nachhaltige Tourismusstrategie. Ein Konzept, das auch für andere Orte wegweisend sein könnte.

Mit knapp 300 Einwohnern und einer historischen Architektur, die von maritimer Geschichte zeugt, ist Arnis ein beliebtes Ziel für Reisende, die abseits des Massentourismus eine authentische norddeutsche Kleinstadt erleben möchten. Doch gerade dieser Reiz bringt Herausforderungen mit sich. Während Besucher die Ruhe und Ursprünglichkeit schätzen, stellt sich für die Stadt die Frage, wie sie ihren Charakter erhalten kann, ohne von den steigenden Besucherzahlen überrollt zu werden.

Die Stadtverwaltung und die Bürger von Arnis haben sich dieser Herausforderung gestellt und im Rahmen des Ortskernentwicklungskonzepts (OKEK) 2023 Maßnahmen erarbeitet, um den Tourismus nachhaltig zu gestalten. Ziel ist es, den sanften Tourismus zu fördern, ohne den Ort in eine touristische Kulisse zu verwandeln, die letztlich ihre Authentizität verliert. Dabei steht Arnis vor einem komplexen Spannungsfeld: Einerseits ist der Tourismus eine wichtige wirtschaftliche Stütze, andererseits könnte eine unkontrollierte Entwicklung langfristig dazu führen, dass die Stadt ihren Charakter verliert und die Lebensqualität der Einwohner leidet.

Das Spannungsfeld zwischen Erhalt und Entwicklung

Arnis hat eine lange Geschichte als Schifferstadt und war über Jahrhunderte hinweg vom Werftenhandwerk geprägt. Diese maritime Tradition prägt nicht nur das Stadtbild, sondern auch die Identität der Bewohner. Doch die Struktur der Stadt ist fragil. Die historische Bausubstanz, die engen Gassen und die geringe Anzahl an öffentlichen Flächen machen es schwierig, Touristenströme aufzunehmen, ohne die Lebensqualität der Einwohner zu beeinträchtigen.

Hinzu kommt, dass der demografische Wandel auch an Arnis nicht vorbeigeht. Die Stadt kämpft mit einer alternden Bevölkerung, während junge Menschen oft keine Möglichkeit finden, sich dort niederzulassen. Die begrenzte Verfügbarkeit von Wohnraum und die hohen Immobilienpreise machen es schwer, neue Einwohner anzuziehen. Gleichzeitig sorgt der Tourismus für eine zusätzliche Belastung der Infrastruktur. Besonders in den Sommermonaten steigen die Besucherzahlen stark an, was sich auf den Verkehr, die Parkmöglichkeiten und die Nutzung öffentlicher Flächen auswirkt.

Das Ortskernentwicklungskonzept (OKEK) 2023 identifiziert mehrere Schwerpunkte, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Neben der Förderung eines sanften, nachhaltigen Tourismus geht es darum, Arnis als attraktiven Wohnort für verschiedene Generationen zu erhalten. Ein zentrales Ziel ist es, die Balance zwischen wirtschaftlichen Interessen und dem Erhalt der städtischen Identität zu wahren. Dabei stehen die Fragen im Mittelpunkt: Wie viele Besucher verträgt die Stadt? Welche Maßnahmen sind notwendig, um die Qualität des Tourismus zu sichern, ohne dass sich die Stadt in eine reine Tourismusdestination verwandelt?

Nachhaltiger Tourismus statt Massentourismus

Ein zentraler Aspekt der Stadtentwicklung ist die bewusste Begrenzung der touristischen Vermarktung. Während viele Orte gezielt versuchen, durch groß angelegte Marketingkampagnen mehr Besucher anzuziehen, geht Arnis einen anderen Weg. Die Stadt verzichtet bewusst auf aggressive Werbung und setzt stattdessen auf gezielte Informationsvermittlung für Individualreisende. Statt Masse soll Klasse gefördert werden – Touristen sollen sich mit der Geschichte und Kultur der Stadt auseinandersetzen, anstatt nur für ein schnelles Foto vorbeizukommen.

Ein wichtiger Schritt in diesem Konzept ist die Einführung von Verhaltensregeln für Touristen. In vielen Städten, die mit steigenden Besucherzahlen zu kämpfen haben, haben sich sogenannte „Do’s & Don’ts“ als wirksames Mittel erwiesen, um das Verhalten der Gäste zu steuern. In Arnis soll dies beispielsweise verhindern, dass Privatgrundstücke von Besuchern betreten oder enge Gassen durch übermäßigen Verkehr blockiert werden.

Ein weiteres Element des nachhaltigen Tourismus ist die gezielte Förderung sanfter Mobilität. Die Stadt möchte verstärkt auf Fahrrad- und Wandertourismus setzen, um den Verkehr im Ortskern zu reduzieren. Zudem wird geprüft, ob eine teilweise Sperrung für den motorisierten Individualverkehr sinnvoll wäre, um das Stadtbild zu schützen. Die Diskussionen hierzu sind noch nicht abgeschlossen, da eine solche Maßnahme sowohl Vor- als auch Nachteile hätte. Während eine Verkehrsberuhigung die Lebensqualität der Einwohner steigern könnte, würde sie gleichzeitig die Erreichbarkeit für Besucher einschränken.

Auch der Bustourismus soll neu geregelt werden. Derzeit gibt es keine festen Regelungen für Reisebusse, was dazu führt, dass größere Gruppen die engen Straßen und begrenzten Parkflächen zusätzlich belasten. Geplant ist eine Begrenzung der Busankünfte und die gezielte Lenkung von Gruppen, um den Ortskern zu entlasten. Gleichzeitig soll ein überarbeitetes Wegeleitsystem dafür sorgen, dass sich Touristen besser orientieren können und gezielt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gelenkt werden, ohne dass es zu übermäßiger Verdichtung in bestimmten Bereichen kommt.

Ab 2025 geht es wieder mit der Fähre über die Schlei

Die Fähre zwischen Arnis und Sundsacker ist weit mehr als nur ein Transportmittel – sie ist eine essenzielle Verbindung für die Region, ein historisches Wahrzeichen und ein wichtiger Bestandteil der touristischen Infrastruktur. Nachdem der Betrieb im März 2023 eingestellt wurde, weil der bisherige Pächter abgesprungen war und eine vollständige Sanierung mit 400.000 Euro finanziell nicht tragbar erschien, gibt es nun Hoffnung auf einen Neustart. Mit einer vergleichsweise kostengünstigen Instandsetzung von 20.000 Euro und einem neuen Betreiber soll die Fähre ab dem 1. April 2025 wieder verkehren. Das ist nicht nur für Einheimische eine Erleichterung, sondern auch für die über 23.000 Fahrradfahrer, die die Verbindung in den letzten Jahren genutzt hätten.

Auch im Ortskernentwicklungskonzept (OKEK) 2023 spielt die Fähre eine zentrale Rolle: Langfristig wird geprüft, ob sie klimafreundlich umgerüstet werden kann, beispielsweise auf einen elektrischen oder hybriden Antrieb. Zudem soll soll geprüft werden, ob sie als städtisches Unternehmen geführt werden kann, um finanzielle und betriebliche Stabilität zu sichern. Diese Maßnahmen könnten den Fährbetrieb nachhaltiger machen und Arnis helfen, seine einzigartige Stellung als ruhiges, maritimes Kleinod zwischen Tradition und Moderne zu bewahren.

Die Rolle der Gästeabgabe und wirtschaftliche Perspektiven

Ein wichtiger Schritt zur nachhaltigen Finanzierung der Stadtentwicklung ist die Einführung einer Gästeabgabe. In vielen beliebten Tourismusregionen ist diese Abgabe bereits etabliert und wird genutzt, um die Infrastruktur zu erhalten und öffentliche Einrichtungen zu finanzieren. In Arnis könnte eine solche Abgabe dazu beitragen, dass die Einnahmen aus dem Tourismus direkt in Maßnahmen fließen, die sowohl den Besuchern als auch den Einwohnern zugutekommen.

Die Stadtverwaltung plant, mit den Einnahmen aus der Gästeabgabe unter anderem die Pflege des Stadtbildes, die Instandhaltung von Wegen und Plätzen sowie ökologische Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt zu finanzieren. Besonders im Fokus steht dabei der Schutz der Schlei, die als sensibler Naturraum erhalten bleiben soll. Auch eine Verbesserung der touristischen Infrastruktur, beispielsweise durch die Einrichtung öffentlicher Toiletten oder zusätzlicher Sitzmöglichkeiten, könnte aus diesen Mitteln finanziert werden.

Zwischen Tradition und Moderne: Die Identität von Arnis bewahren

Während viele Städte den Tourismus als primäre Einnahmequelle sehen, bleibt Arnis seinem Konzept treu: Der Erhalt des historischen Stadtbildes und der Lebensqualität der Bewohner steht über der Maximierung touristischer Einnahmen. Dies zeigt sich auch in der Stadtplanung. Neubauten werden nur unter strengen Auflagen genehmigt, um das historische Ortsbild nicht zu beeinträchtigen. Zudem gibt es Bestrebungen, den Werftstandort zu erhalten, der nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell eine bedeutende Rolle spielt.

Doch nicht alle Maßnahmen sind unumstritten. Einige Einwohner befürchten, dass zu starke Regulierungen dazu führen könnten, dass Arnis wirtschaftliche Chancen verpasst. Besonders für Gastronomie- und Übernachtungsbetriebe ist der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle, und eine zu starke Begrenzung könnte wirtschaftliche Folgen haben. Andererseits gibt es auch Stimmen, die sich noch weitergehende Maßnahmen wünschen, um den Ort langfristig vor touristischer Überlastung zu schützen.

Die Stadtverwaltung steht damit vor der Herausforderung, die verschiedenen Interessen in Einklang zu bringen. Im Rahmen des Ortskernentwicklungskonzepts wurden daher mehrere Bürgerbeteiligungsprozesse durchgeführt, um die Meinungen und Wünsche der Einwohner in die Planungen einfließen zu lassen. Dieser Ansatz hat dazu beigetragen, dass die geplanten Maßnahmen eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung finden.

Ein Modell für die Zukunft?

Arnis zeigt, dass eine bewusste Begrenzung des Tourismus ein erfolgreicher Weg sein kann, um die Identität eines Ortes zu bewahren. Durch gezielte Maßnahmen zur Steuerung der Besucherströme, eine nachhaltige Stadtentwicklung und die Einbindung der Bürger in den Entscheidungsprozess könnte die Stadt zu einem Vorbild für viele kleine Tourismusorte werden.

Ob das Konzept langfristig aufgeht, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Doch eines steht fest: Arnis setzt auf eine Zukunft, in der Erhalt und Entwicklung Hand in Hand gehen – ein Spagat, der vielen anderen Städten als Inspiration dienen könnte.