Wenn Urlauber im Sommer an der Nordsee ankommen, sehen sie vor allem das, was sie gesucht haben: Strand, Dünen, Möwenrufe und Sonnenuntergänge über dem Wattenmeer. Dass hinter diesem Idyll ein logistisches System arbeitet, das täglich auf Kante genäht ist, bleibt für die meisten unsichtbar. Genau hier setzt die Reportagereihe „die nordstory“ an. Unter dem Titel „Sommer auf Juist und Norderney – Viel Arbeit für die Inselversorger“ blickt sie hinter die Kulissen zweier Ferieninseln, deren Infrastruktur in der Hochsaison an ihre Grenzen stößt.
Dieser Film läuft am 20.02.2026 um 20:15 Uhr im NDR Fernsehen
Der Film von Bärbel Fening begleitet Menschen, die dafür sorgen, dass Hotels, Pensionen, Restaurants und Supermärkte auch dann reibungslos funktionieren, wenn die Fähren voll besetzt sind und die Tide den Takt vorgibt. Auf Norderney etwa, einer der größten ostfriesischen Inseln, steigt die Zahl der Menschen in der Hauptsaison auf 40.000 bis 50.000 an. Neben den rund 6.000 Einwohnern müssen dann zehntausende Gäste versorgt werden. Lebensmittel, Getränke, Hygieneartikel, Wäsche, Ersatzteile – alles, was auf dem Festland selbstverständlich verfügbar ist, muss hier über das Wasser kommen.

Im Zentrum der Reportage steht unter anderem Inselspediteur Georg Fischer. In der Hauptsaison bringt er nach eigenen Angaben täglich bis zu 25 Lkw-Ladungen voller Waren nach Norderney. Die Kamera begleitet ihn bei der Koordination von Anlieferungen, beim Warten auf passende Fährverbindungen und beim Entladen auf der Insel. Was nach Routine aussieht, ist in Wahrheit ein komplexes Zusammenspiel aus Fahrplänen, Lagerkapazitäten und Wetterprognosen. Jede Verzögerung kann sich unmittelbar auf Gastronomie und Hotellerie auswirken.
Während Norderney über einen Fährhafen mit regelmäßigen Verbindungen verfügt, ist die Situation auf der benachbarten Insel Juist noch einmal deutlich spezieller. Juist ist tideabhängig erreichbar. Das bedeutet, dass die An- und Abfahrt der Schiffe vom Wasserstand bestimmt wird. Hinzu kommt: Die Insel ist autofrei. Motorisierter Individualverkehr ist nicht erlaubt, Waren werden traditionell mit Pferdefuhrwerken transportiert. Für die Logistik bedeutet das einen zusätzlichen planerischen Aufwand.
Die Reportage begleitet den Kutscher Cleo, der mit seinen Pferden Robin und Makito unterwegs ist. Was auf den ersten Blick romantisch wirkt, ist körperlich fordernde Arbeit. Kisten, Säcke und Kartons müssen verladen und über Sandwege zu Hotels und Geschäften gebracht werden. Jede Lieferung ist ein Stück Handarbeit. Dass das System funktioniert, ist das Ergebnis eingespielter Abläufe – und jahrzehntelanger Erfahrung.
Auch das, was nach dem Konsum übrig bleibt, gehört zur Geschichte der Inselversorgung. Auf Juist sammeln Ode Odens und Andreas Pläsier mit der sogenannten Pferdemüllabfuhr Abfälle ein. Müllentsorgung auf einer autofreien Insel ist nicht nur eine Frage der Sauberkeit, sondern auch der Organisation. Der Abtransport zurück aufs Festland muss mit den gleichen tideabhängigen Zeitfenstern koordiniert werden wie die Anlieferung neuer Waren.

Ein weiterer Schauplatz der „nordstory“ liegt auf dem Festland. In einer Großwäscherei wird täglich tonnenweise Hotelwäsche gereinigt, getrocknet und gemangelt. Bettlaken, Handtücher, Tischdecken – sie alle müssen in hoher Stückzahl bereitstehen, wenn die Gäste wechseln. Die gereinigte Wäsche wird am nächsten Tag wieder auf die Inseln transportiert. Auch hier entscheidet ein enger Zeitplan darüber, ob die Abläufe in den Unterkünften reibungslos funktionieren.
Selbst scheinbar banale Produkte wie Toilettenpapier werden in der Hochsaison zu strategischen Gütern. Ein Lieferant sorgt dafür, dass die Lagerbestände nicht zur Neige gehen. Die Reportage zeigt, wie eng kalkuliert die Vorräte sind und wie schnell Engpässe entstehen könnten, wenn eine Lieferung ausfällt oder sich verzögert. Der Blick auf diese Details macht deutlich, wie abhängig die Inseln von funktionierenden Transportketten sind.
Thematisch fügt sich der Film in die Tradition der NDR-Reihe ein, die regelmäßig Regionen Norddeutschlands porträtiert und dabei den Fokus auf Menschen und ihre Arbeit legt. Anders als klassische Reisereportagen, die vor allem Landschaft und Sehenswürdigkeiten zeigen, richtet „die nordstory“ den Blick auf die Strukturen hinter dem touristischen Betrieb. Der Zuschauer erfährt nicht nur, wie die Inseln aussehen, sondern auch, wie sie funktionieren.
Der Sendetermin am 20. Februar 2026 fällt zwar in die Winterzeit, doch der Film selbst spielt im Sommer – also in jener Phase, in der die Belastung für Infrastruktur und Personal am höchsten ist. Gerade in der Nebensaison bietet sich für das Publikum die Gelegenheit, das gesehene Urlaubserlebnis noch einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Wer Juist oder Norderney bereits besucht hat, dürfte viele Orte wiedererkennen – und zugleich neue Einblicke gewinnen.
Der Film von Bärbel Fening arbeitet dabei mit klassischen Mitteln der Reportage: Beobachtung, begleitende Gespräche und atmosphärische Bilder. Die Protagonisten kommen selbst zu Wort und schildern ihren Arbeitsalltag. Die Kamera bleibt nah an den Menschen, ohne sie zu inszenieren. So entsteht ein Bild von Inselleben, das weder verklärt noch dramatisiert, sondern den Alltag in seiner ganzen Komplexität zeigt.
Für tagbote.de bietet sich mit diesem Fernsehtipp die Möglichkeit, das Thema Tourismus einmal aus einer ungewohnten Perspektive zu beleuchten. Während in der öffentlichen Debatte häufig über Besucherzahlen, Umweltbelastung oder Preise gesprochen wird, rückt die Reportage die logistischen Grundlagen in den Mittelpunkt. Sie macht deutlich, dass hinter jedem Restaurantbesuch, hinter jedem frisch bezogenen Hotelbett und hinter jedem Einkauf im Inselsupermarkt ein ausgeklügeltes System steht.
„Sommer auf Juist und Norderney – Viel Arbeit für die Inselversorger“ ist damit mehr als eine regionale Geschichte. Der Film zeigt exemplarisch, wie stark moderne Urlaubsregionen von funktionierenden Lieferketten abhängen – und wie viel Koordination notwendig ist, um ein scheinbar müheloses Ferienerlebnis zu ermöglichen. Gerade in Zeiten, in denen Lieferengpässe und unterbrochene Transportwege weltweit diskutiert werden, gewinnt dieser Blick hinter die Kulissen zusätzliche Relevanz.
Der Fernsehtipp für den 20. Februar 2026 richtet sich an Zuschauer, die sich für Norddeutschland, für Reportagen mit Alltagsnähe und für die verborgenen Seiten touristischer Hotspots interessieren. „die nordstory“ liefert keine spektakulären Sensationen, sondern präzise Beobachtungen und persönliche Geschichten. Wer wissen möchte, wie viele Tonnen Waren täglich über das Wattenmeer bewegt werden und wie Pferde auf Juist Teil einer modernen Logistikkette sind, dürfte an diesem Abend auf seine Kosten kommen.
Mit dem Film gelingt ein Perspektivwechsel: Der Sommerurlaub erscheint nicht nur als Auszeit vom Alltag, sondern auch als Ergebnis harter, oft unsichtbarer Arbeit. Genau diesen Kontrast macht „die nordstory“ sichtbar – und liefert damit einen ebenso informativen wie atmosphärischen Beitrag über zwei Inseln, die für viele als Inbegriff norddeutscher Ferien gelten.
