Die grünsten Kreise im Norden

Wo Felder, Wälder und Wiesen noch das Landschaftsbild prägen
Nordfriesland führt das Landesranking an, doch auch die übrigen Kreise bestehen überwiegend aus Naturflächen. Besonders im Hamburger Umland zeigt sich allerdings, wie stark Siedlungen und Verkehr die Landschaft inzwischen verändern.

Die meisten Schleswig-Holsteiner dürften es längst geahnt haben. Wer durch Nordfriesland fährt, blickt kilometerweit über Marschland, Deiche und Wiesen. In Dithmarschen bestimmen Felder den Horizont, im Herzogtum Lauenburg wechseln sich Wälder und Seen ab. Dass Schleswig-Holstein insgesamt zu den grünsten Bundesländern Deutschlands gehört, überrascht deshalb kaum. Die aktuelle Flächenstatistik des Statistikamtes Nord zeigt nun aber, wie unterschiedlich die Kreise tatsächlich aufgestellt sind und wo die Natur besonders viel Raum einnimmt.

Mit einem Vegetationsanteil von 84,7 Prozent führt Nordfriesland das Ranking der Kreise an. Kein anderer Landkreis Schleswig-Holsteins verfügt über einen höheren Anteil an landwirtschaftlichen Flächen, Wäldern, Grünland und sonstiger Vegetation. Das Ergebnis spiegelt den Charakter der Region wider. Große Teile des Kreisgebiets werden von Landwirtschaft geprägt, hinzu kommen weitläufige Naturräume entlang der Nordseeküste, auf den Inseln und Halligen sowie im Binnenland.

Neufelderkoog in Dithmarschen. Foto von Frauke Riether auf Pixabay

Nur hauchdünn dahinter folgen Dithmarschen und Rendsburg-Eckernförde mit jeweils 83,7 Prozent Vegetationsfläche. Auch Herzogtum Lauenburg, Ostholstein, Segeberg und Schleswig-Flensburg überschreiten die Marke von 82 Prozent. Selbst die Kreise im Mittelfeld weisen damit Landschaftsanteile auf, von denen viele Regionen Deutschlands nur träumen können.

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Landesweit entfallen rund 81 Prozent der Bodenfläche auf Vegetation. Demgegenüber stehen Siedlungsflächen mit knapp neun Prozent sowie Verkehrsflächen mit gut vier Prozent. Trotz wachsender Städte und neuer Baugebiete bleibt Schleswig-Holstein damit ein ausgesprochen ländisch geprägtes Bundesland.

Von flamenc – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15769460

Besonders deutlich wird der Unterschied im Hamburger Umland. Pinneberg weist mit 71,7 Prozent zwar ebenfalls überwiegend Vegetationsflächen auf, erreicht im Kreisvergleich aber den niedrigsten Wert. Gleichzeitig besitzt der Kreis mit 17 Prozent den höchsten Siedlungsanteil Schleswig-Holsteins. Die Entwicklung ist eng mit der Nähe zur Metropole Hamburg verbunden. Wohngebiete, Gewerbeparks und Verkehrsinfrastruktur beanspruchen dort deutlich mehr Raum als in den ländlich geprägten Regionen an Nord- und Ostsee.

Auch Stormarn gehört zu den dichter besiedelten Kreisen des Landes. Dort liegt der Anteil der Siedlungsflächen bereits bei mehr als 13 Prozent. Segeberg folgt mit einem ebenfalls überdurchschnittlichen Wert. Beide Kreise profitieren wirtschaftlich von ihrer Lage im Hamburger Speckgürtel, gleichzeitig verändert das Bevölkerungswachstum seit Jahren das Landschaftsbild.

Dennoch zeigt die Statistik vor allem eines: Selbst in den am stärksten besiedelten Kreisen dominiert weiterhin das Grün. Auch Pinneberg besteht noch zu mehr als zwei Dritteln aus Vegetationsflächen. Von einer Betonlandschaft kann also keine Rede sein. Vielmehr verdeutlichen die Zahlen, wie unterschiedlich sich Schleswig-Holsteins Regionen entwickelt haben – vom dünn besiedelten Marschland im Westen bis zu den dynamischen Wachstumsräumen rund um Hamburg.

Für viele Menschen dürfte das Ranking deshalb weit mehr sein als eine Sammlung trockener Zahlen. Es bestätigt das, was sie täglich erleben und worauf sie stolz sind. In Nordfriesland sind es die offenen Küstenlandschaften, in Dithmarschen die weiten Felder, im Herzogtum Lauenburg die Wälder und Seen oder in Rendsburg-Eckernförde die abwechslungsreiche Landschaft zwischen Nord- und Ostsee. Gerade diese Vielfalt macht Schleswig-Holstein aus und erklärt, warum das nördlichste Bundesland trotz aller Bautätigkeit seinen grünen Charakter bewahren konnte.

Grundlage dieser Auswertung ist die Flächenstatistik des Statistikamtes Nord zum Stand 31. Dezember 2024. Erfasst wurden die tatsächlichen Nutzungsarten aller Bodenflächen nach dem Amtlichen Liegenschaftskataster-Informationssystem (ALKIS).